Home


  CAST & CREW      DIE DARSTELLER      DIE FILMEMACHER  


Die Polish-Brüder

Ebenso wie ihr Protagonist in „Astronaut Farmer“ zwischen träumerischem Idealismus und exzentrischer Leidenschaftlichkeit angelegt ist, schaffen die Brüder Mark und Michael Polish ein Kino der Gegensätze und Traumlandschaften, das schon häufig mit Auszeichnungen bedacht wurde. Mit ihrem Debüt „Twin Falls Idaho“ von 1999, das sie gemeinsam produzierten, inszenierten, für das sie das Drehbuch schrieben und in dem sie auch als Hauptdarsteller zu sehen waren, erregten die Zwillinge erstmals internationale Aufmerksamkeit. 2001 folgte für „Jackpot“ ihr erster Independent Spirit Award. Die Folgeproduktion "Northfork" mit James Woods, Nick Nolte und Daryl Hannah war 2003 der Eröffnungsfilm des renommierten Sundance Filmfestival und gewann im selben Jahr den German Independence Award beim Internationalen Filmfest Oldenburg.

ASTRONAUT FARMER ist der vierte filmische Geniestreich des Regisseur-Autoren-Produzenten-Schauspieler-Duos Polish.

Interview mit Michael Polish

Charles Farmer ist ein Charakter zwischen Verrücktheit und visionärer Kraft. Bedeutete das für den Film, eine Balance zwischen Parodie und Drama zu finden?

Wir wollten einfach den Charakter so wahrhaftig wie möglich gestalten. Es ging darum, ihm seine Würde zu erhalten. Er ist die treibende Kraft in der Geschichte, mit ihm steht und fällt das Ganze. Die größte Herausforderung war also ein gutes Drehbuch zu haben und das auch umzusetzen.

Der Film spielt auf sehr amerikanische Themen an. Kann man mit der LA Times sagen, er ist ein “altmodischer Western für einen modernen Westen”?

Diese Geschichte verbindet zwei Bereiche, die für die USA durchaus ikonische Funktion haben – die des Astronauten und die des Cowboys – und versucht so herauszufinden, was es bedeutet, seine Träume zu verwirklichen. Träume sind jedoch kein amerikanisches Thema. Träumer gibt es überall und natürlich ist auch die Eroberung des Weltraums ein universales Thema.

Der familiäre Zusammenhalt ist in “Astronaut Farmer” sehr wichtig für das Gelingen des Projekts. Als Filmemacher setzt auch Ihr immer wieder auf die Unterstützung der Familie. Ist der Versuch, unabhängiges Kino zu produzieren so abenteuerlich wie der Bau einer Rakete?

Die Metapher hinter “Astronaut Farmer” war eben genau das – wie man in den USA unabhängiges Kino schaffen kann. Es stellte sich heraus, dass es sich vom Abfeuern einer Rakete tatsächlich kaum unterscheidet.

Wie seid Ihr eigentlich auf diese Geschichte gekommen?

Wie kann ein ganz normaler Mensch den Weltraum erobern? Diese Frage inspirierte die Geschichte und dann fanden wir die Verbindung zwischen unabhängigem Filmschaffen und dem Bau einer eigenen Rakete, was eigentlich nichts anderes bedeutet als sich seine eigene Freiheit zu erschaffen oder zumindest den Weg in die Freiheit.

Hast Du als kleiner Junge auch davon geträumt, ein Astronaut zu werden?

Nein – obwohl die Idee von der Eroberung des Weltraums mich schon sehr interessierte, auch als ich noch sehr jung war. Auch heute ist es noch eines meiner großen Interessen.

Wie ist das Verhältnis zwischen Drehbuch und Umsetzung? Gab es viele Veränderungen während des Drehs?

Die Änderungen sind natürlich immer Kompromisse. Wegen des Budgets und des Zeitdrucks ist es ein stetiges Geben und Nehmen. Können wir diese Ranch bauen, auf der die Familie lebt? Können wir in Texas drehen? Wird die Rakete echt sein oder computer-animiert? All diese Fragen verändern das Drehbuch und die Art, wie es auf die Leinwand kommt. Aber für den größten Teil ist es so auf die Leinwand gekommen, wie wir es wollten.

Warum ist Billy Bob Thornton die Idealbesetzung für Charles Farmer?

Billy Bob verkörpert die Eigenschaften eines Farmers und die eines Astronauten. Er könnte diese beiden Rollen auch getrennt voneinander spielen – er kann sie aber auch sehr gut verbinden. Billy hat den schmalen Grat dazwischen perfekt zum Leben erweckt.

Die visuelle Kraft des Films ist ja sehr prominent. Wo ist die Verbindung zwischen dieser Art von magischem Realismus zur Hauptfigur?

Das ist einfach – Farmer ist eben ein Träumer.

Wie lange und wie aufwendig war es, die Rakete zu bauen?

Es hat einige Monate gedauert, sie zu bauen. Es ist eine Nachbildung der 1960er Atlas Mercury, die die ersten Astronauten ins All katapultiert hat. Wir konnten die Pläne beschaffen, nach denen sie gebaut wurde und unser Produktionsdesigner Clark Hunter hat dabei wirklich großartige Arbeit geleistet.

Zusammen mit deinem Bruder Mark hast Du vor kurzem ein Buch veröffentlicht, das sich als Leifaden für unabhängige Nachwuchs-Regisseure versteht. Seht Ihr Euch als representative Filmemacher für das unabhängige Kino?

Wir sind ein Teil davon. Das Buch ist ein ausführlicher Bericht über unsere ersten drei Projekte: “Twin Falls Idaho”, “Jackpot” und “Northfork”. Die Erfahrung und das Wissen, die wir aus dieser Trilogie gewonnen haben, wollten wir teilen. Da es solch ein Buch noch nicht gab, als wir anfingen, unsere ersten Filme zu drehen, dachten wir, das wäre etwas, was hilfreich sein könnte.