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Für Teile des Drehbuchs zu „Astronaut Farmer“ hielten sich die Polish-Brüder an persönliche Erfahrungen. Während in der Geschichte des außergewöhnlichen Astronauten die Familie einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung des Traums leistet, ist auch für die Filmemacher die familiäre Unterstützung überlebensnotwendig für den Erfolg ihrer Projekte. Während beide Brüder stets sowohl schreiben als auch produzieren, ist es Michael, der inszeniert, und Mark, der in „Astronaut Farner“ einen etwas trotteligen FBI-Agenten spielt. Ihre Töchter sind als Sunshine und Stanley im Film zu sehen.

Die Polish-Brüder etablierten sich früh als engagierte Independentfilmer. Ihre vor kurzem in den USA veröffentlichte „Declaration of Independent Filmmaking“ versteht sich als praktische Hilfe für junge Regisseure und Regisseurinnen. Darin legen sie die Grundzüge des Schreibens, Drehens, Schneidens, Marketings und Vertriebs von unabhängigem Kino in den USA dar.

Mit der Eroberung des unbekannten Raums durch das Individuum - gegen alle Widerstände und erst recht gegen die der Bürokratie – spielen die Polish-Brüder in „Astronaut Farmer“ mit einem zutiefst romantischen Motiv. Die Erkundung des Weltraums fasziniert seit seinen Anfängen und schlug die Fantasie von Millionen von Menschen in Bann. Charles Farmer ist ein Charakter zwischen solider Erdigkeit und unaufhaltsamer Vorwärtsbewegung, zwischen Bürgerlichkeit und Idealismus. Seine kühne Herausforderung an Natur, Staat und Schwerkraft, sein Insistieren auf seiner Vision machen ihn zu einem Romantiker. Wenn Farmer in seinen Raumanzug gehüllt durch die epische Uferlosigkeit des Horizonts reitet, arbeitet der Film einem Konflikt zwischen Individuum und Umwelt zu, der fundamental für das Geschichtenerzählen ist.

Diese Kraft des Individuums feiern die Filmemacher in „Astronaut Farmer“ mit einer Bildsprache des magischen Realismus, der der Gratwanderung zwischen Träumerkino und Satire Rechnung trägt. Zwischen Wirklichkeitsabbildung und Traumlandschaft siedeln sie die kuriose und bewegende Geschichte einer halsbrecherischen Selbstverwirklichung an. Wie ein farbenprächtiges Bilderbuch kommt „Astronaut Farmer“ daher, das jedoch an wohl gewählten Stellen die Pfade des Märchenerzählens hinter sich lässt und statt ungebrochener Verklärung einen schlitzohrigen Humor und parodistische Ironie aufblitzen lässt. So entsteht ein poetischer Bilderbogen, der sich nicht nur auf die visuelle Grandeur des fantastischen Traumes verlässt, sondern auch die existentiell notwendige Verstrickung des Einzelnen in seine höchstpersönlichen Traumlandschaften zeigt.

Die visuelle Kraft, mit der Charlie Farmers Abenteuer auf die Leinwand gemalt wird, ist auch ein leidenschaftliches Plädoyer für die visionäre Macht des Kinos und seiner Bilder, die für das tägliche Überleben ebenso notwendig wie das Träumen und Wünschen sind.